Serifos

“Diejenigen, die zu klug sind, um sich in der Politik zu engagieren, werden dadurch bestraft, dass sie von Leuten regiert werden, die dümmer sind als sie.” Platon, 427-348 v.Chr.

Der ruhige Geheimtipp

Serifos ist eine Insel, die polarisiert. Karg, spröde, unterentwickelt sagen die einen – wunderschön, ruhig und unverbraucht die anderen. Ich gehöre zu den anderen, mochte die Insel schon bei meinen frühen Griechenlandreisen. Jahrzehnte später erscheint sie mir noch immer kaum verändert, das ist selten. Hier gibt es nicht viel von dem, was der Tourismus so schätzt: es fehlt ein Flughafen, es gibt kaum Nachtleben, keine großen Hotels und kaum Geschäfte. Die Straße des Haupt- und Ankunftsortes Livadi ist nur teilweise asphaltiert und so schmal, dass Autos zu einer großen Einbahnschleife umgeleitet werden – im Juli und August ein vorprogrammiertes Verkehrschaos im Zwergformat, jedes Mal, wenn die Fähre anlegt. Ein paar Häuser wurden in den letzten Jahrzehnten schon dazu gebaut, auch an einem damals wilden Strand, das ist ein bisschen schade. Manche Cafés und Tavernen wurden fescher – aber das hat nichts an dieser unglaublich entspannten Atmosphäre geändert.

Der von Tamarisken gesäumte Strand direkt in Livadi hat noch immer ein paar Tavernen, deren Tische und Sessel im Sand stehen. Die verschlafene Chora, vielleicht eine der schönsten auf den Kykladen, thront still über dem Hafenort, bis sie an Sommerabenden von den Besuchern geweckt wird, die das spektakuläre Kirchlein am Felsen erklimmen und sich dann wieder im Gassengewirr zerstreuen, um einen Drink zu nehmen und dann essen zu gehen – oder umgekehrt.

Serifos ist eine Insel für Kenner, wer sich zufällig hierher verirrt, reist entweder bald wieder ab – oder bleibt länger und kommt wieder. Große Garderobe oder schickes Outfit kann man getrost zu Hause lassen, jeder bessere Schuh wird vor den unbefestigten Straßen kapitulieren…
Die Strände sind durchwegs schön, einige populärer, andere wiederum kaum besucht, die Landschaft ist karg und trocken. Man muss genau hinsehen, um die Wasserläufe zu entdecken, die jede Insel hat – dort wächst dann gerne der Oleander und ein paar Bäume versuchen ihr Glück.

Auf Serifos wurde bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts Eisen abgebaut, die Minen und Förderanlagen kann man noch sehen. Hier gab es auch den ersten gewerkschaftlich organisierten Streik Griechenlands, bei dem ein Acht-Stunden-Tag gefordert wurde. Im Gegensatz zu Sifnos mit seinen Gold- und Silbervorkommen waren die Einwohner hier ärmer, das sieht man deutlich an der Architektur. Zweckmäßig und schlicht, ohne die bürgerlichen Elemente oder fremden Einflüsse anderer Kulturen ist sie hier zu sehen, und in der Chora hat das auch ein paar Kenner aus dem Ausland angezogen, die alte Häuser zu neuem Leben erweckt haben.

SEHENSWERT & STRÄNDE

  • Chora
  • Megalo Livadi und die Minen
  • Taxiarchis-Kloster
  • Vagia-Strand
  • Psili Ammos-Strand
  • Livadakia-Strand